Jugendmedienschutz

Phänomene und Gefahren des Internets

Im Rahmen des Jugendmedienschutztages der Schule nahmen die Schüler/-innen der Oberstufe an einem Vortrag über Phänomene und Gefahren des Internets in der Aula teil. Vortragende waren zwei Rechtsanwälte einer Wetzlarer Kanzlei, Jonas Puchelt und Pavel Dener. Der Vortrag sollte ein praktischer Leitfaden zur Nutzung neuer Medien sein – also was ist erlaubt, was ist problematisch, wo und wie werden Rechte verletzt, die zivil- oder strafrechtliche Folgen haben können?

Die Anwälte vertreten Mandanten u.a. im IT-Recht mit den Schwerpunkten Datenschutz und Software- bzw. Lizenzbedingungen. Je nach Vorwissen erfuhren die Zuhörenden viel Neues oder konnten ihre vorhandenen Kenntnisse mit weiteren Informationen verknüpfen. Wesentliche Punkte des Vortrags sollen im Folgenden stichpunktartig wiedergegeben werden.

Das Internet: Technologie unserer Zeit
+ Vernetzung der ganzen Welt
– scheinbare Anonymität, damit Sinken der Hemmschwelle

a) Anonymität im Internet
• nicht vorhanden: Nutzer hinterlassen Spuren
• IP-Adresse: Möglichkeit, bei Straftaten über den Anbieter die Adresse zu verfolgen
• Darknet (IP-Adressen sind nur schwer nachvollziehbar, da die Verbindung über die ganze Welt erfolgt, aber auch nie komplett sicher)

b) Soziale Netzwerke
• geltendes Recht und allgemeine Geschäftsbedingungen
• Nutzungsverhalten wird gespeichert, auch gelöschte Daten, Werbeklicks usw., aus denen sich dann Werbemaßnahmen generieren: personalisierte Werbung
• Schutz der gespeicherten Daten in Deutschland sehr schlecht, kein Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern
• alle Daten werden an ein Netzwerk weitergereicht – z.T. weltweit!
• gebührenfreie Nutzung: das Netzwerk verdient sehr viel Geld mit unseren Daten, z.B. Bilder an Werbepartner
• Nutzungsrechte werden an Facebock weitergegeben: Filme, Fotos
• YouTube: Reisevideo als geschickte Platzierung: Influencer Marketing – je mehr Traffic, desto eher will ich es
• Daten sind heute für Unternehmen von immens hohem wirtschaftlichen Wert

Fazit: Soziale Netzwerke sind zwar gebührenfrei, aber nicht kostenlos; wir zahlen nur mit unseren Daten/Vorlieben, und diese sind regelmäßig mehr wert als jede Gebühr, die ein soziales Netzwerk erheben könnte. Beobachtung: Versicherungen interessieren sich für Daten – bieten spezielle, maßgeschneiderte Versicherungsprodukte.

c) Umgang nach dem Tod
• Digitales Erbe? Löschen von Accounts Verstorbener nur mit Erbschein und Vollmachten. Allerdings: Wie erreicht man einen Konzern wie Google? Nur gerichtlich! E-Mail kommt erfolglos zurück, telefonisch nicht erreichbar … Über die Offices: auch nicht erfolgreich. Nach einem Jahr der Nichtnutzung werden die Konten i.d.R. gelöscht. Lösungsvorschlag: Hinterlegt die Zugangsdaten an sicherem Ort oder bei einer vertrauenswürdigen Person, die den Account löschen kann.
• Setzt euch mit den Nutzungsbedingungen auseinander.
• Untersucht die Privatsphäreeinstellungen.

d) Recht am eigenen Bild
• in sozialen Netzwerken nur sehr eingeschränkt
• Bilder sind kaum zu löschen: z.B. Partybilder sehr ungünstig
• bei Beschwerde: der, der es hochgeladen hat, kann verklagt werden, also ist hier Vorsicht geboten

e) Hate Speech / Mobbing
• Hemmschwelle gering, da die Auswirkung nicht direkt erkennbar ist
• kann in die wirkliche Welt überwechseln (Fall Lena)
• Achtung: nicht jeder offizielle Aufruf der Polizei ist echt!
• Bedrohung, Verleumdung, üble Nachrede, Beleidigung, Erpressung …
• zivilrechtliche und strafrechtliche Komponente: Schadensregelung/Strafanzeige
• Beispiel: Handyvideo einer Demütigung wird weiterverbreitet

f) Netzwerkdurchsetzungsgesetz
• Betreiber sozialer Netzwerke sollen verpflichtet werden, Posts zu löschen
• kritisch: könnte Zensur bei politischer Meinungsäußerung bedeuten

g) Fake-News
• sogenannter „Fall Lisa“, der zu internationalen Differenzen mit Russland führte
• Informiert euch über Tatbestände breit, in mehreren Zeitungen, ggf. auch in der ausländischen Presse.

h) Passwortsicherheit
• Schutz persönlicher Daten: Online-Banking, Training-Apps (medizinische Daten), Diät-Apps, Kalender …
• mindestens 8 Zeichen, kein Wort aus dem Wörterbuch, keine logische Ziffernfolge, keine persönlichen Daten oder Vorlieben, Verwendung aller 4 Zeichenkategorien
• z.B. Anfangsbuchstaben eines Satzes
• Verschlüsselungsverfahren:
– symmetrische vs. asymmetrische Verschlüsselung
– Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (WhatsApp) Strafverfolgungsbehörden Bundestrojaner

i) Urheberrecht
• betrifft: Bilder, Texte, Musik, Videos, Computerprogramme
• Veränderung, Vervielfältigung, Veröffentlichung sind ohne Zustimmung des Urhebers verboten.
• Das Einbinden von Werken in wissenschaftlichen Arbeiten oder zum Zweck des Zitats ist auch ohne Zustimmung grundsätzlich möglich.
• Lässt es sich nicht vermeiden, ein fremdes Werk zu verwenden: Quellennachweis!
• Auch Streamen ohne Zustimmung ist urheberrechtlich relevant: v.a. das Bereitstellen, z.B. für einen Freund, über IP-Adressen.
• Nutzung von Filmen/Computerspielen kann u.U. für Betroffene sehr peinlich sein.
• Rechnung von Urheber: enthält oft auch Strafunterlassungserklärung (siehe genau, was im Vertrag steht, nicht so weitreichend, wie es der Auftragskläger möchte, am besten mit Anwalt klären!).
• Spezielle Abmahnungskanzleien, die mit Textbausteinen arbeiten: Hier kommt man so gut wie nie mehr heraus, es muss i.d.R. gezahlt werden.
• Offenes W-LAN: Früher haftete der Betreiber, heute haften Betreiber nicht mehr für Verletzungshandlungen. Es kann aber dahin kommen, dass der Netzbetreiber bestimmte Seiten zukünftig sperren muss.

j) Strafrecht im Internet
• Computersabotage ist untersagt: nicht zugreifen, verändern, nicht auf Kommunikation zugreifen, nicht weiterverkaufen
• neues Strafrecht, um diese zu verfolgen
• Trojaner: Virus, Ransomware, relativ kurze Zeit für den geschädigten Nutzer, um zu reagieren, deswegen wichtige Daten immer auf externem Speichermedium sichern, da bei Zahlung keine Garantie, dass Zugriff wieder möglich
• Phishing: Vorsicht, oft sehr gut gemacht! Wenn eure Daten, Bankdaten, Passwörter erfragt werden sollen, aufpassen!
• Scamming: Geldtransfer von Unbekannten, z.T. sehr gut gemacht, alles strafrechtlich kritisch.

Fazit: Vorsicht mit eigenen Daten und mit fremden, unbekannten Anfragen, das Internet bietet Betrügern unzählige Möglichkeiten.


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