Hoffnung bricht sich Bahn

Keine Frage, es gibt Tage, da sehe ich alles grau in grau. Da kann mein Kollege sich noch so sehr bemühen, das wird nichts. Ich bleibe unten. Seelisch gesehen herrscht Finsternis. Die Arbeit will nicht leicht von der Hand gehen. Irgendwie bin ich gar nicht da. Etwas hat mich heruntergezogen. Die Farbe ist aus meinem Leben verschwunden. Das kennen Sie vielleicht.

Pfarrer Tilo Brach, Vorsitzender des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Pfalz e.V.
Noch schlimmer wird es, wenn es objektiv wirklich schwer wird. Ein Kind in der Familie hat einen Unfall. Eine tödliche Krankheit ergreift meinen besten Freund. Ich selbst verliere meine Arbeit. Wenn nur ein einziges dieser Ereignisse mein Leben trifft, reißt mich das aus der Bahn. Es gibt Menschen, deren Leben erstarrt, obwohl es weitergeht. Kein noch so gut gemeintes Wort dringt über die Ohren an ihr Herz. Keine tröstende Geste wird angenommen. Die Seele ist wie schockgefroren. Bildlich gesprochen herrscht Winter.

Vom Reformator Martin Luther erzählt man sich, dass er schwermütig sein konnte. Wir wissen ebenso, dass er tatsächlich schwere Lebensprüfungen zu erleiden hatte. Eines Tages, es war für Luther wieder solch ein schwerer Tag, trat seine Frau Käthe in den schwärzesten Trauerkleidern, die sie besaß, in seine Arbeitsstube. Luther fragte sofort: „Ja wer ist denn gestorben?“ Käthes Antwort: „Der Herr Jesus.“ Luther darauf etwas unwirsch: „Das weiß ich doch.“ Käthe: „Er ist für dich gestorben, das weißt du. Aber er ist auch auferstanden. Scheinbar aber nicht für dich.“

Ostern ist das Fest der Auferstehung Jesu. Es ist ein Fest für dich und mich. Dein Tod ist besiegt. Jesu Licht leuchtet über deine Finsternis. Mag sein, dass deine Finsternis objektiv bleibt. Der Tod beendet dein und mein Leben. Aber eben nicht auf immer. Leiden kann ich nicht wegreden. Aber es nimmt mich nicht ewig gefangen. Luther schreibt in seinem Kommentar zum 1. Korintherbrief des Paulus, Kapitel 15,20, ein klares Bekenntnis: „Das ist’s, dass seine Auferstehung von den Toten mir und dir gilt.
Dieser Tod und diese Auferstehung ist um deinet- und meinetwillen geschehen ... Ich werde, wenn ich gestorben bin, wieder auferstehen. Darum lass ich’s zu, dass ich leiden muss.“ Diese Sätze klingen stark. Für den Menschen, der selbst im Leben Leid durchmachen muss, hören sie sich fast übermenschlich an. Aber Luther zweifelte und kämpfte mit sich. So verbirgt sich hinter diesen Worten Lebenserfahrung und Glaubenshoffnung. Sie gründen auf diesen Versen, die uns Paulus im 1. Korinther 15 in unser Lebensstammbuch schreibt: „Christus ist auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“

So ein Vers scheint wie ein Leuchtturm in meinem Leben. Er hält mich auf Kurs. So ein Wort ist wie eine Sonne, die mir den Tränenschleier meiner Augen trocknet. Ich sehe wieder die Blütenpracht des Frühlings. Spüre wieder die Wärme auf der Haut. Höre das zarte Säuseln in den Zweigen des Waldes. Das Leben ist schön, weil Jesus siegt. Es ist Ostern, der Herr ist auferstanden. Wahrhaftig.

Pfarrer Tilo Brach


Der Artikel erschien zuerst in der ERF Antenne, dem Magazin von ERF Medien (Ausgabe 3–4/2012). ERF Medien ist eines der größten christlichen spendenfinanzierten Medienunternehmen in Deutschland.

Für die August-Hermann-Francke-Schule am 23.2.2018 freigegebene, unveränderbare Originalfassung
© ERF Medien e.V. 2018 | www.erf.de | Autor: Pfarrer Tilo Brach

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